Wie ein Stueck Holz auf weiter See

16 03 2009

 

Zwei Profisurfer ;)

Zwei Profisurfer ;)

Nun war es endlich so weit. Was ich doch tatsaechlich in 12 Monaten „versaeumt “ haette, so Paulo, galt es unbedingt nachzuholen!

 

Ich stand dem ganzen Projekt ja eher skeptisch gegenueber. Wellen, die meine Koerperlaenge um ein doppeltes ueberschreiteten, Haie, die nur darauf warteten einen jaemmerlichen Surfer wie mich zwischen die Zaehne zu bekommen, Stroemungen, die ich mein Leben noch nicht erlebt habe und natuerlich weit und breit keine Menschenseele.

Die Sonne hatte sich gerade auf ihren Mittagsstand eingependelt, als ich mit meinem Surfboard auf dem Sand lag und die unmoeglichsten Koeperstellungen einnahm, welche mich in dem unwahrscheinlichen Fall eines Haiangriffs oder einer unterschaetzten Welle haetten retten sollen. 

Kaum hatte ich verstanden, wie ich meine Fuesse einzurichten habe, ging es auch schon ins Wasser. Waehrend ich noch jedem Schatten im Wasser sorgfaeltig nachging um mich zu vergewissern, dass sich kein Hai dahinter verbarg, nahm Paulo schon die erste Welle. Ich darf an dieser Stelle erwaehnen, dass die Welle eher ihn nahm als er sie, nur um das Schueler-Trainer-Verhaeltnis etwas zu relativieren.

Wie auch immer. Auch ich musste mich nun auf den Weg in das grosse Haifischbecken machen und mich den Wellen stellen!

Jetzt koennte ich ja eigentlich von meinen unglaublichen Stunts berichten und ausfuehrlich beschreiben, wie ich eins wurde mit dem Brett und ich mich den Wellen anschmiegte, als waere ich ein Stueck Holz auf weiter See. Ich dachte mir aber, dass ich ja nicht gleich zu Fett auftragen muesste, so ich doch dann zumindest ein wenig zu kaschieren genoetigt waere. Ich kann allerdings mit vollster Ueberzeugung sagen, dass ich jede Skepsis verloren und definitv einen neuen Wassersport fuer mich entdeckt habe!

Was vor wenigen Tagen noch ein Fremdwort fuer mich war, ist in null komma nichts zu einer fantastischen neuen Herausforderung geworden, die ich die naechsten Tagen natuerlich weiterhin angehen werde.

Die Haie sind zwar immernoch an den Straenden und werden zur Zeit fast taeglich gesichtet, sind aber keine Gefahr fuer Anfaenger wie mich! Da sind zumindest in Bondi noch hunderte Surfer vor mir, welche den Haien deutlich „naeher stehen“. Gestern allerdings war es tatsaechlich etwas nervenkitzelreich, da wir so ziehmlich alleine waren an dem, ausserordentlich wunderschoenen, Strand.

Ansonsten geht es mir wirklich ausgesprochen gut. Das Wetter stimmt und ich habe viel Zeit mich auf meine naechste Pruefung vorzubereiten. Auch die Sommerplanung ist abgeschlossen und gebucht. Das Praktikum musste ich leider absagen, da sich die Richtlinien meiner Universitaet letztlich doch nicht mit den des Krankenhauses hier vereinbaren lassen. All die Bemuehungnum darum waren allerdings alles andere als umsonst. Es hat mir viel Mut gegeben und vor allem einen kleinen Tick mehr Selbstbewusstsein, was auslaendische Bewerbungen berifft. Statt einer langen Reise nach Australien, geht es dann diesen Sommer fuer drei Wochen nach Brasilien. Ein paar Staedte, wie Sao Paulo und Rio wollen unbedingt gesehen und lange Straende an der suedamerikanischen Ostkueste besucht werden. Ist ja auch mal Zeit die Nase in den Westen zu richten, nicht wahr? Australien laeuft sicher nicht weg!





Visa la fiesa

10 03 2009

Meine Guete was fiel mir doch letzte Woche fuer ein Stein vom Herzen als ich endlich schweissgebadet aus der schwingenden Krankenhaustuer stolperte. Gerade noch staemmte ich mich mit meinem ganzen Koerpergewicht gegen diese kalte, glatte, glaeserne Tuer als waere es das letzte was ich taete und nun stupste sie mich mit einem Ruck ueber die schwarze Gummischwelle hinaus ins Freie.

Ich sass erst seit fuenf Minuten im Wartezimmer und schon spuerte ich wie mein Deo verzweifelt den Kampf auf gab und sich der blaue Fleck zwischen meinen Achseln immer und immer weiter in Richtung Brustkorb ausbreitete. Wie muss ich nur ausgesehen haben. Die noch immer viel zu lange Jeans elegant nach innen gekrempelt, die schon viel zu langen Haare delikat zur Seite gelegt und die viel zu grosse Aufregung in rythmische Beinbewegung abgearbeitet.

„Felix?“ Das war mein Stichwort! „Aeh ja, aeh hier!“

Klasse! Der erste Eindruck zaehlt und ich habe ihn mit meinen ersten zwei Phrasen charmant in den Sand gesetzt.

Nun, die weiteren Details des Gespraeches wollte ich hier nicht weiter erwaehnen. Der Phantasie sei aber keine Grenzen gesetzt!

Wie nun also geschildert fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich hatte es geschafft! Ich habe ihn mir erschwitzt, erkrempelt oder erhandgeschuettelt, meinen Praktikumsplatz in Sydney! Endlich! Nach drei langen Monaten, unzahligen Briefen, Mails und Telefonaten hatte ich ihn mir irgendwie er-was-auch-immert.

Die grosse Pruefung aber jedoch sollte erst jetzt ihren Lauf nehmen. „Visa la fiesa“ taufe ich mein Projekt. Denn bis zu der tatsaechlichen Realisierung meines Vorhabens heisst es nun sich dem grossen Monster „Formularius“ zu stellen. Lediglich 22 Seiten und 50 Fragen muss ich fuer mein Visum durcharbeiten. Bescheidene acht Seiten Antrag muss mein Krankenhaus an die Regierung stellen, von der ausfuehrlichen Beschreibung der wirtschaftlichen Lage des Krankenhauses abgsehen. Ein kleiner Artzbesuch in Berlin, ein paar wenige Euros, ein paar laeppische Wochen, wenige Tage des Nervenkitzels und die entspannende Ruhe noch unendlich viel Zeit zu haben, um die all zu ausgebuchten Fluege zu buchen.

Kaum vorstellbar was ich fuer zwei Monate mehr Arbeitserfahrung im Ausland alles fuer Bedingungen erfuellen muss. Sollte ich am Ende wirklich im August meinen Dienst antreten, werde ich diesen Tag wohl so schnell nicht wieder vergessen.

Ansonsten aber gehts mir gut und vor lauter ueberflussiger Zeit habe ich gleich mal einen bekannten Liedtext passend gemacht:

„Komm mit mir ins Australien-Abenteurland / Der Eintritt kostet Dir den Nerv / Komm mit mir ins Australien-Abenteuerland/ Und tus mit Deinem Geld / Deine Geduld schenkt Dir ein Land /Das Australien-Abenteuerland“