Der nasse Teppich

26 02 2009
Es geht doch nichts ueber einen sauberen Teppich

Es geht doch nichts ueber einen sauberen Teppich

Was fuer ein Erlebnis! Also eines ist klar, den Tag des nassen Teppichs werde ich so schnell nicht vergessen.

Wie verhielt es sich nun also mit den Geschehnissen? Es war Samstag. Ein Tag an welchem man eigentlich viel zu tun haben sollte in einer Stadt wie Sydney. Wie gesagt, sollte.

Nach dem Fruestueck, welches wir allmorgendlich in den Mixer steckten, um es dann nur noch trinken statt kauen zu muessen und dem fest integrierten, geradezu fruehsportlichen, Akt des Post holens mit Hilfe des Liftes und der sich automatisch oeffnenden Tuer im Erdgeschoss, war Langeweile aufgekommen. Die freien Sender zeigten gemeinschaftlich irgendwelche Mangafilme und das Internet war schon ausgeschlachtet.

...Das zum Zwecke Wasser fliesse...

...Das zum Zwecke Wasser fliesse...

Wie gut, dass es da doch noch was zu tun gab. Auf unserem Balkon lagerte naemlich schon seit zwei Wochen ein alter Teppich, welcher, mit etwas Fuersorge, wieder zum Leben erweckt und von Hundegestank, Haaren und jahrelangem Staub befreit werden koennte. Wie aber nun dieses schwere Ding reinigen? Anheben und runterschleppen, bzw in den Lift stecken und fahren lassen? Um Gottes Willen… nein nein, da musste es einen anderen Weg geben. Praktisch doch, dass der Teppich gerade die Groesse des Balkons hatte. Warum also nicht ein wenig Kraft aufwenden und das Ding einfach auffalten und wischen, bzw. „waschen“.

Gesagt getan. Der Teppich lag wehrlos vor unseren Fuessen. Seit sicherlich fuenf Jahrzehnten kein Wasser mehr gesehen, muss er sich in den aufgesogenen 50 Litern sehr viel besser gefuehlt haben. Ein wenig Waschpu… stopp… ein wenig mehr… na gut… eine halbe Schachtel Waschpulver rauf und auf den Mob und fertig – los!

Eines kann ich wohl nun sagen. Das Wischen eines Teppichs dieser Groesse uebersteigt jegliches Ausdauervermoegen. Dagegen muss das Fegen einer Sporthalle nen Witz sein. Wie auch immer, eine Stunde spaeter und einer zusaetzlichen Flasche Bleichmittel schien das Werk vollendet.

Wie gesagt… es schien so. Wo nun hin mit den fuenzig Litern Wasser, welches da noch tief in den Fasern unseres Schmuckstueckes sass? Und, wie verdammt, dieses nun sicherlich zwei Tonnen schwere Ding zum Trocknen aufhaengen? Die Balkonberuestung schien sich beim Anblick des Teppichs schon alleine aus der Verankerung zu schrauben und sich auf und davon zu machen.

Es half alles nichts, wir mussten das gute Stueck auswringen. So gedacht, so gezweifelt, so gezoegert, so am Ende trotzdem gemacht. Nach der halbstuendigen Faltphase stampften und sprangen wir nun also auf dem Wunderteppich. Geschossartig machten sich die 50 Liter auf den Weg entlang der Beruestung, hin zur Ecke und schliesslich ergossen sie sich aus dem neunten Stock auf die unten geparkten Autos.

Autsch, daran hatten wir nicht gedacht. Nun ja… es war eh zu spaet.. also springen, stampfen und springen und stampfen. Das Wasser war nun endlichr aus. Der Blick nach unten allerdings versprach nichts Gutes. Das Problem… das mit Waschpulver und Bleichmittel versetze schwarze, nach Hund riechendem Wasser, fing an sich unter der Sonne Sydneys auf den Autodaechern geradezu einzudampfen.

„Wird schon keiner merken“, meinte Paulo. Gut.. wenn er es meinte.

Nun hingen wir das gute Stueck noch auf die Beruestung und die Trocknungsphase sollte beginnen.

Sollte… es schien als haetten Bleichmittel und Waschpulver das Ding zwar entfaerbt, nicht aber jedoch entstankt oder enthaart. „Mmhhh, schmeissen wir es so bald es trocken ist also doch weg!“ so Paulo ganz erschoepft.

„BITTE???“ Nun… recht hatte er ja… zumindest halbwegs…

Das Ding ist mittlerweile entsorgt. An unserem Kuehlschrank in der Kueche haengt seit dem auch ein netter Hinweis aus dem Fahrstuhl einen Tag nach dem Waschtag von einem der Autobesitzer:

„An den idiotischen Bewohner, der schwarzes Wasser auf… „

Den Rest koennt ihr euch denken!

Ansonsten ist alles Bestens. Wir wissen nur noch nicht, was wir am naechsten Samstag machen sollen. :)


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6 Antworten

26 02 2009
Kaffeepaule

Laut Lach :)

Also das nenn ich mal eine lustige Geschichte. Ein Wunder das Ihr nicht eine riesen Waschmaschine für den Teppich gesucht habt. Vielleicht hätte es ja auch ein Nasstaubsauger getan!?!?!?

Ich hoffe mal das die verantwortlichen Auto-Verschmutzer weiterhin unerkannt bleiben.

Vielleicht versucht Ihr diesen Samstag mal die Teppiche Eurer Nachbarn zu waschen. Übung macht die Meister Felix und Paulo :)

In dem Sinne, ich muss jetzt meine Auslegware bügeln^^

26 02 2009
Birgit

:) :) :) :) man oh man , was für eine Geschichte…. der Lacher weit und breit. Was habt ihr euch bloß dabei gedacht???? Aber es ist schon ein Erlebnis … sowas macht nicht jeder…. das ist Oskarreif. :) :)

ich überleg mir noch was , was ihr am Wochenende machen könnt … schließlich können wir ja nicht zulassen das eventuell Langeweile aufkommt. ;)

Hallo Kaffeepaule , ist dir wenigstens das Bügeln der Auslegware gut gelungen??

euch einen schönen Tag noch eure Birgit

27 02 2009
Die Kieler

Hallo Ihr 2

das ist eine der Geschichten die das Leben schreibt.
Euere Aktion kann ich gut nachvollziehen. Bei der Seefahrt hatten wir auch öfter Teppich waschen.
Die Gründe waren verschieden. Mal weil ein Besucher unbedingt mit seinen ölverschmierten Schuhen in die Kabine wollte, mal weil ein abendlicher Gast, welcher noch nicht Seefest war, den Inhalt seines Magens großflächig auf dem guten Stück verteilte usw.
Bei diversen Teppich-Wasch-Aktionen haben wir folgende Erkenntnisse gewonnen:
- nur mit fließenden warmen Wasser (30 -40 °C) arbeiten, am besten mit Schlauch
- das gute alte FIT ist das beste Reinigungs- und Lösungsmittel
- es muss ein großer Abfluss in der Nähe sein
- ein harte Schrubber mit Stiel ist Pflicht
- Teppich einweichen
- FIT rauf
- 20 Minuten kreuz und quer schrubben
- mit viel warmem Wasser spülen und weiter Schrubben
- wenn man den Teppich nicht aufhängen kann ihn nicht zu fest aufrollen und hochkant stellen, er läuft dann leer

Ich wünsche Euch noch einige solcher Ideen, dann haben wir …
Bei uns kündigen seit 4 Tagen die Vögel extrem den Frühling an. Mal schauen wann er wirklich kommt.

Viele Grüße aus dem Norden
Olaf

27 02 2009
Cowboymutti

Ich kann kaum schreiben vor lachen. Pause! Lachen, Tränen wischen, nein, ich kann nicht mehr!!! :-) :-) :-) :-) :-)

Langeweile? Nie wieder! Morgen ist wieder Samstag. Der Tag ist günstig sich einen alten Teppich vom Sperrmüll zu holen und ihn eigens für uns nach dem letzten Ritual zu säubern. Mit der kleinen Ausnahme, es nicht nur bildlich, sondern auch akustisch aufzunehmen. Was für schöne Schmatzgeräusche wohl zu hören waren, als ihr stampfend und hüpfend auf dem Teppich den Trockenvorgang begonnen habt.

Pause. Ich habe gerade schon wieder Tränen gelacht.

Ich freue mich auf euere nächstes „Abenteuer“ und lasse die Tempos schon mal am PC liegen.

Ne, ne, ne, lange nicht mehr so gelacht!

Haha, hihi, hoho, eure Cowboymutti!

(Vielleicht kriegt ihr auch bei IKEA ganz preiswert einen neuen Teppich?)

27 02 2009
Cowboymutti

Ach ich muss immer noch lachen. Eigentlich habe ich Urlaub und trotzdem viel zu tun. Die Verwandtschaft trudelt morgen in Scharen bei uns ein. Aber vielleicht geht alles schneller, wenn ich den Kuchen in der Waschmaschine backe, die Suppe im Kühlschrank koche, mit dem Staubsauger die Getränke mixe, mit dem Bügeleisen Staub wische, ….

Wie ihr seht, viele Ideen, eure Langeweile für die kommenden Samstage zu vernichten.
(Warum genießt ihr nicht einfach das tolle Wetter, was uns hier nicht vergönnt ist?)

Oh nein, meine Tempos sind alle. Ich muss neue holen.

Hah, haha, haha, …….

27 02 2009
Papa

Hallo Ihr Zwei,

tolle Geschichte und tolle Freizeitbeschäftigung. Wäre ich nicht so einfach drauf gekommen. Sicherlich aber auch, weil ich viel zu faul wäre, einen Teppich mit der Hand zu waschen. Ziemlich fleißig. Glückwunsch!!

Ansonsten freue ich mich, dass es Euch gut geht. In diesem Sinne wieder mal.

Passt schön auf Euch auf!

Gruß Papa

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