Von Matthias
Die Sonne ist bereits untergegangen. Es wird jeden Tag frueher dunkel. Felix und ich steigen aus dem Fahrstuhl, gehen rauf auf die Strasse und bahnen uns einen Weg durch die Baustelle in der U-Bahn-Station. 14 Minuten noch. Wie immer ist gerade ein Zug weggefahren. Und typisch australisch kommt der darauf folgende nur drei Minuten spaeter. Wir fahren eine Station. Beim Aussteigen sehen wir schon die imposante Harbour Bridge. Nachts wird sie eindrucksvoll beleuchtet. Die Bruecke bietet mit der ebenfalls beleuchteten Oper und der naechtlichen Skyline von Sydney ein vertrautes Bild.
Doch heute ist alles anders. Menschen haben sich am Ufer versammelt. Felix und ich suchen uns ein paar Steinstufen direkt am Wasser, so dass wir alles im Blick haben. Links die Oper, vorne die Skyline und rechts ganz nahe die riesige Harbour Bridge. Die Wellen peitschen an die Ufermauer, wenn ein Schiff passiert. Es ist wirklich der schoenste Hafen der Welt. Auch nach sechs Wochen habe ich mich noch nicht satt gesehen. Doch es ist mein letzter Abend hier in Sydney.
Fuenf vor Acht. Die Leute beginnen ihren Fotoapparat rauszuholen. Es blitzt. Na ob das Foto was geworden ist? Mein Stativ steht, der Finger auf dem Ausloeser. Noch ein Foto. Und noch eins. Oper. Skyline. Bruecke. Die letzten Fotos, die ich hier schiessen werde. Es klappt. Die Beleuchtung der Oper kommt auf dem Bild gut rueber.
Acht Uhr. Die Wolkenkratzer werden dunkel. Einer nach dem anderen schaltet die riesigen Werbetafeln auf dem Dach aus. Dann passiert das Unglaubliche: Die massiven Pfeiler der Harbour Bridge werden dunkel. Erst der eine, dann der auf der anderen Seite des Ufers. Jetzt ist die ganze Bruecke dunkel. Unheimlich dieses riesige schwarze Ding.
Alle starren gespannt auf die Oper. Sie ist hell. Wahrscheinlich ist doch eine Veranstaltung drin. Doch ploetzlich wird das strahlend weisse Dach ebenfalls zu einem unheimlich dunklen Objekt. Sie haben es tatsaechlich gemacht. Sydney ist dunkel.
Earth Hour. Ich gehe und ganz Australien schaltet die Lichter fuer eine Stunde ab. Als einer der groessten Energieverbraucher der Welt ein gutes Zeichen. Touristen und Einheimische sehen ihre Staedte in einem voellig neuen Licht.
Stille. Die Menschen staunen ueber das dunkle Sydney. War doch die leuchtende Skyline nachts ein vertrautes und sicheres Bild. Eine dreiviertel Stunde ist so vergangen. Wir sitzen immernoch schweigend an der gleichen Stelle. In der Ferne sehen wir ein Gewitter aufblitzen, was die dunkle Skyline noch eindrucksvoller erscheinen laesst. Es kracht und blitzt. Aber das ist kein Gewitter. Vom Wasser aus wird ein atemberaubendes Feuerwerk gestartet. Ich reisse mich von dem ueberwaeltigenden Augenblick los und greife zu meiner Kamera. Klick klick klick. Eines der Bilder wird schon gut werden.
Wow! Mein letzter Abend. Ganz Sydney ist dunkel und es steigt ein Feuerwerk direkt vor meinen Augen. Ist es fuer mich? Will mir die Stadt sagen: „Mach’s gut und bis bald?“ Ich habe Sydney doch sehr in Herz geschlossen. Eine Stadt, majestaetisch am Meer. Besticht immer wieder nicht nur Touristen mit ihrer Einzigartigkeit. Doch es ist Zeit zu gehen. Sydney hat mir zum Abschied noch einmal bewiesen, wie besonders die Stadt ist. Ich werfe einen letzten Blick auf die Oper, Skyline, Bruecke. Die Beleuchtung geht nach und nach wieder an. Ich drehe mich um und gehe mit Felix zufrieden ein letztes Mal am Ufer zurueck.
Die Zeit des Abschieds ist gekommen. …und das Licht geht aus.
…fand ich sie. Die 16 Kilogramm mehr auf meinen Rippen binnen nur 7 Monaten am anderen Ende der Welt.










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